Wir gehen davon aus, dass historisch zwei grundlegend verschiedene Gesellschaftsordnungen voneinander zu unterscheiden sind, eine matriarchale und eine patriarchale

Die ältere ist die matriarchale. Sie ist geprägt vom Mutter-Kind-Zusammenhang und somit eine mütterliche Ordnung (mater arché = am Anfang die Mutter), am Leben orientiert, egalitär, friedlich, kooperativ mit umgebender Natur, spirituell mit allem Sein in Himmel und Erde verbunden und um Ausgleich von Konflikten bemüht. 

Der patriarchalen Ordnung geht eine Verwahrlosung der matriarchalen voraus, die u.a. durch Klimaveränderungen und dadurch ausgelöste "katastrophische Wanderungen" in Gang kommt. Es bilden sich Kriegerhorden, die matriarchale Gemeinschaften und schließlich Hochkulturen überfallen und erobern. 

Erst auf dieser Grundlage entsteht die patriarchale Ordnung (pater arché = am Anfang der Vater/Herrscher/Gott). Sie ist durch Krieg, Staatsbildung und Herrschaft als System, Religion (insbes. Monotheismus), die Unterwerfung der Frauen und ihrer Kultur, hierarchisch angeordnete soziale Klassen, Ausbeutung, Generationenkonflikte und ökologische Probleme gekennzeichnet. 

Innerhalb von Patriarchaten leben Reste der matriarchalen Ordnung bis heute als "2. Kultur" weiter. Zurzeit existieren weltweit auch immer noch "lebende Matriarchate". Die meisten sind erst durch Kolonisierung und Modernisierung zerstört worden. 

Eine Periodisierung patriarchaler Entwicklung lässt erkennen, dass in der Neuzeit versucht wird, durch den "Fortschritt" in Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie mit den Resten matriarchaler Ordnungen die im Patriarchat als störend empfundene Abhängigkeit von der Natur und den Frauen als Leben Schenkenden für immer zu überwinden. Utopisches Ziel ist das "reine" Patriarchat ohne matriarchale Restbezüge.


Weiterführende Literatur:

Mathias Behmann:
Die 'Kritische Patriarchatstheorie' - eine 'Meta-Erzählung' für das 21. Jahrhundert?
in: RAISON - Zeitschrift für gesellschaftliche Entwicklung, Heft 1, 10/2009

Mathias Behmann:
Die "Kritische Patriarchatstheorie" - ein neuer Blick auf die Welt
in: UNIpress, Nr. 6, Juni 2010, S. 9-10

Claudia von Werlhof:
„Zivilisation“ und „Patriarchat“ – Begriffe des neuen Paradigmas der „Kritischen Patriarchatstheorie“
in: WIDERSPRUCH 57, Beiträge zu sozialistischer Politik, 2. Halbjahr 2009

Claudia von Werlhof:
Sieben Jahre im freien Fall
Einleitung in: Aufbruch aus dem Patriarchat - Wege in eine neue Zivilisation?, Beiträge zur Dissidenz Nr. 23, Peter Lang, Frankfurt a. M. u. a. 2009

Claudia von Werlhof:
Capitalist Patriarchy and the Struggle for a "deep" Alternative
in: Vaughan, Genevieve (Ed.): Women and the Gift-Economy. A Radically Different World View is Possible, Inanna, Toronto, 2007

Claudia von Werlhof:
Soziale Bewegung, Gesellschaft, Bildung und Wissenschaft heute, Bedingungen des Studiums und praktische Konsequenzen
auf: emanzipationhumanum.de

Bernd Hercksen:
Vom Urpatriarchat zum globalen Crash? Der Aufstieg einer verkehrten Welt und die Suche nach der richtigen. Shaker Media, 2010